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Gedanken auf Sendung

oder

Das Radio und ich...

 

Mein Handy machte Bing.

Gut, das macht es öfter mal...

Dieses Mal aber war es der Ton, der eine ganz besondere Zeit ankündigte.

 

Es war eine Nachricht von Susanne Landskron, die bei Radio Rüsselsheim verschiedene eigene Sendungen moderiert. Eine ihrer Sendungen trägt den Titel "Sternstunde - Gespräche mit Menschen, die dem Ruf ihres Herzens folgen" und handelt allesamt von Menschen, die im Laufe ihres Lebens an einem oder mehreren Wendepunkten entschieden haben, nicht den konventionellen oder gar schon beschrittenen Weg (weiterzu-)gehen, sondern ihrem Bauch und ihrem Herzen zu folgen.

 

Sternstunden - Dem Ruf des Herzens folgen - August 2020
© Susanne Landskron

Außerdem gibt es die "Extra Sternstunde", in der den Gästen verschiedene Fragen gestellt werden zu ihrem Umgang mit dem derzeitigen Geschehen, welche sie individuell und aus dem Herzen kommend beantworten. Zu dieser Sendung wurde ich eingeladen!

Den Gästen der Augustsendung war gemein, dass sie alle als Heilpraktikerinnen arbeiten und Susanne fragte, ob ich eine davon sein wolle.

 

Ich brauchte genau vier Minuten Bedenkzeit. Dann entschloss ich mich, diese neue Erfahrung - in einer Radiosendung zu sprechen - machen zu wollen.

 

Damit mich nicht hinterher der Mut verließ und ich meinen eigenen Entschluss klammheimlich rückgängig machen konnte, informierte ich den kleinen Sohn. Der war aufgrund von Corona noch Zuhause, weil die Schule zu einer späteren Uhrzeit begann.

 

Das war noch vor den Ferien, wo wir Eltern eigene Kalender dafür benötigten, um die unterschiedlichen Zeiten einzutragen - in denen die Kinder Schule oder keine Schule oder später Schule oder Videokonferenz hatten oder zu bestimmten Uhrzeiten auf verschiedenen Lernplattformen eingestellte, dringend zu bearbeitende Aufgaben zu erledigen hatten. Eine Sisyphusarbeit...

 

Der kleine Sohn jubelte: "Mama, jetzt kommst du ins Fernsehen!!"...

Ich wiegelte ab. Nein nein, ins Radio. Das gefiel im genauso gut.

Er umarmte mich überschwänglich und flüsterte mir ins Ohr, dass er stolz auf mich sei, obwohl ich ja bis dahin eigentlich noch gar nichts getan hatte.

 

Doch, den Entschluss gefällt, teilzunehmen - das hatte ich.

Und die Redewendung "einen Entschluss fällen" zeigt, dass manche Dinge genauso schwierig zu entscheiden sind, wie es schwierig sein kann, einen Baum zu fällen.

 

Immerhin hatte ich bis dato noch nie öffentlich im Radio gesprochen. Ich bin ja noch nicht mal jemand, von dem unzählige Videos auf diversen Plattformen oder zumindest auf der eigenen Webseite existieren. Keine Übung in diesen Bereichen.

Und genau so habe ich es auch in der Sendung erzählt: "Ich bin ja eigentlich eher die, die schreibt...".

 

Aber dazu später.

 

Das Allerschwierigste an dem Unterfangen war also bereits getan. Die Entscheidung, mitzumachen. Nun ging es an die Umsetzung.

 

Ich telefonierte (wie noch unzählige Male danach in dieser Zeit) mit Susanne, die viel Zeit und Geduld für mich bereit hielt und erfuhr, dass die Sendung eine Aufzeichnung sein wird, keine Live-Übertragung und da fiel mir erst einmal ein Stein vom Herzen.

 

Die Fragen, die sie in der Sendung stellen würde, bekam ich vorab geschickt und konnte mir in Ruhe dazu Gedanken machen. Dann begann ich mit den Aufzeichnungen. Wie in Coronazeiten überall üblich, traf man sich nicht in Natura, sondern nahm die Antworten von Zuhause aus auf oder vereinbarte einen Video-Call. Ich entschied mich dafür, mit einem Aufnahmegerät zu arbeiten.

 

Blog - Gedanken auf Sendung, Mikrofon
© Andreas Carjell / PIXELIO

Ich setzte mich also an einem schönen Sonntagmorgen im Juli alleine in die Praxis - neben mir ein Glas Wasser, vor mir mein Skript und das Mikrofon und begann. Also, versuchte zu beginnen...

 

Geschlagene zehn Minuten starrte ich mein Aufnahmegerät an, als könne es mir den Sinn des Lebens offenbaren. Die Gedanken in meinem Kopf wirbelten nur so durcheinander und es wäre, trotz des Skriptes, unmöglich gewesen, diese in sprechender Form in einen verständlichen Kontext zu bringen.

Auf Papier geht das. Da hört man einfach auf zu Schreiben, wenn sie zu sehr wirbeln, die Gedanken, beruhigt den Blätterhaufen im Kopf erstmal mit ruhigem Durchatmen und beginnt dann wieder.

 

Aber beim Sprechen muss alles schnell gehen. Jeder Gedanke, der dabei sein will, der ausgesprochen werden will, muss sofort da sein, lieferbar genau in dem Moment. Sonst ist er wieder weg und man hat das ungute Gefühl, etwas vergessen, etwas verloren zu haben.

 

Dann entschloss ich mich, Sprechproben zu machen. Ich erzählte meinem Aufnahmegerät also von lustigen Begebenheiten aus dem letzten Urlaub. Und von Blogtexten, die ich noch aufschreiben und daher nicht vergessen wollte. Ich erzählte ihm, wer ich war, wo ich war und warum ich so war, wie ich war.

 

Als ich es mir danach anhörte, schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen. So also hörte ich mich an??

Meine Stimme - völlig anders, als ich sie selbst wahrnahm...

 

Dann war in meiner Jugend also doch nicht die schlechte Aufnahme- bzw. Wiedergabequalität des Kassettenrecorders (wer kennt eigentlich noch Kassettenrecorder?) schuld?

Damals hatten Freundinnen und ich uns einen Spaß daraus gemacht, den Recorder in allen erdenklichen Situationen in unserer Freizeit mit dabei zu haben und rein zu sprechen, was uns an Blödsinn spontan so einfiel. Ich glaube, wir hatten damals sogar ein kleines Mikrofon von meinem Papa gemopst (er war Elektroniker und hatte in seiner Werkstatt eine Fülle an technischem Gerät). Und das Kassettendeck war sogar sehr fortschrittlich. Erstens, weil es ein Batteriefach besaß (zum überall mit hin nehmen) und zweitens weil es Platz für zwei Kassetten hatte - man von einer Lieder also abspielen und auf die andere aufnehmen konnte.

Macht man heutzutage ja alles mit seinem Smartphone...

 

Ich saß nun also noch immer ratlos vor meinem Aufzeichnungsgerät.

Aber, nachdem ich "A" gesagt hatte, musste ich auch "B" sagen und meine Antworten da rein sprechen - wie auch immer meine Stimme klang. Außerdem beschlich mich der Verdacht, dass die Anderen mich ja immer so hörten, wie es das Gerät wiedergab. Nur für mich selbst hörte sich meine eigene Stimme darauf fremd an.

 

Ich schloss also für immer Frieden mit meiner Stimme und begann, konzentriert zu arbeiten.

 

Systematisch nahm ich mir Frage für Frage vor und sprach meine Antworten darauf so lange und so unterschiedlich ein, bis es sich für mich stimmig anhörte.

Dies dauerte einige Tage, in denen ich mich immer wieder daran setzte.

 

Nicht an jedem Tag kann man gleich gut sprechen.

Am einen Tag ist man etwas tatkräftiger, dann kann sich der Sprechfluss leicht hektisch anhören. Am anderen Tag fühlt man sich sehr entspannt, was aber in den Aufnahmen zu hörbaren Sprechpausen führen kann. Und wenn man mit seinen Gedanken nicht im Einklang, nicht im "Flow" ist, baut man eventuell viele "Ähms" und "Ohms" ein, was im Gesamtbild auch nicht flüssig klingt.

 

Es gibt vielleicht Menschen, die sprechen so etwas einmal auf, aus der Tiefe ihres Herzens und es passt. Und das ist super, weil echt.

Ich gehöre leider nicht dazu. Ich bin Perfektionist, was meinen Tagesablauf in der Tat nicht immer erleichtert. Aber so bin ich eben.

 

Und in einigen Anläufen, in denen ich aber auch vieles über mich lernen durfte, ist schließlich mein Audio entstanden, das ich abgegeben habe. Zunächst hatte ich allerdings viel zu lange gesprochen und meine Sendezeit zu sehr gedehnt. Mit Hilfe von Susanne filterte ich dann die Quintessenzen heraus.

 

Am Ende habe ich dann ganz entspannt und wieder an einem sonnigen Sonntagmorgen alle Sequenzen neu aufgenommen und diese sind nun ebenfalls sehr echt. Alles fühlt sich richtig an.

 

Die Sendung ist nun bereits in Produktion und wird am Sonntag, den 2. August 2020 um 9.00 Uhr zum ersten Mal ausgestrahlt. Und dann jeden Sonntag den ganzen August lang, immer um 9.00 Uhr wiederholt.

 

Ganz bewusst habe ich mir die komplette Sendung mit den Beiträgen der anderen beiden Kolleginnen noch nicht angehört. Am Sonntag ist also auch für mich Premiere - ich lasse mich überraschen...

 

Blog - Gedanken auf Sendung, Feldtelefon
On the air... :-)

Dann werde ich um 9.00 Uhr mit dem kleinen Sohn, einer Tasse Kaffee und einem Marmeladenbrötchen (für den Sohn) vor dem Radio sitzen und der Sendung in Gänze lauschen. Das ist fest ausgemacht.

 

Ich bin schon sehr gespannt...

Bist du dabei...?

 

Alles Liebe.

 

Deine Daniela

 

© 2020 - Daniela Bezold

 

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